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Vorgeschichte

Anstoß

Die Wiege des heutigen Fördervereins Mediation im öffentlichen Bereich e.V. mit dem präzisierenden Untertitel „Umwelt, Wirtschaft, Politik, Soziales“ steht im Hause der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück. Die Motivation zum Engagement der Stiftung für Mediation ergab sich aus folgender Konstellation:

Bei einer Analyse der umweltpolischen Lage ergab sich 1996 eine erhebliche Diskrepanz zwischen dringendem und komplexem Umweltschutzbedarf einerseits und einer Konsumgesellschaft andererseits, die andere Schwerpunkte setzte. Außerdem fiel auf, dass bei der Durchführung von Förderprojekten der Stiftung Kontroversen zwischen den vorgesehenen Projektpartnern die Optimierung laufender Vorhaben behinderten oder neue undurchführbar machten. Daraus entsprang der Wunsch, „neue Wege der Umweltkommunikation“ zu finden mit dem Ziel, besser zu informieren, Bewusstsein zu verändern und akute Konflikte zu vermeiden bzw. zu lösen, und der Beschluss, dazu ein eigenständiges Stiftungsprojekt zu initiieren.

Das Referat „Umweltinformationsvermittlung“ der DBU unter der Leitung von Dipl.-Volkswirt Gerd Fuchs wurde beauftragt, ein geeignetes Szenario zu entwickeln und einen dazu passenden Projektpartner zu ermitteln. Als solcher bot sich die Arbeitsgemeinschaft für Umweltfragen e. V. (AGU) mit Sitz in Bonn an. In dieser Organisation hatten sich 1970 auf Initiative des für Umwelt zuständigen Bundesministeriums die wichtigsten öffentlichen und privaten mit Umweltfragen befassten Instanzen aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaft und Umwelt zusammengeschlossen. Passenderweise waren in dieser Organisation schon die Arbeiten an einer Machbarkeitsstudie zur Bildung eines Instituts für Umweltmediation angelaufen. Gerd Fuchs wurde mit der Weiterführung der Machbarkeitsstudie und der Vorbereitung und Leitung eines sich schon abzeichnenden Anschlussprojekts beauftragt.

Nach Abschluss der Machbarkeitsstudie, die eine weiterführende Untersuchung zur Mediation empfahl, reichte die AGU einen Projektantrag bei der DBU ein mit dem Ziel festzustellen, ob und unter welchen Bedingungen Mediation bei der Bearbeitung umweltrelevanter Konflikte im Sinne des Umweltschutzes eingesetzt werden kann.

Das Hauptprojekt

Am 30. Mai 1997 wurde das Projekt „Möglichkeiten und Grenzen einer Implementierung der Umweltmediation in Deutschland“ von der DBU bewilligt; Leiter wurde Gerd Fuchs. Das für vier Jahre geplante Projekt hatte eine Größenordnung von 2,5 Millionen DM bei einem Fördervolumen durch die Bundesstiftung von 2 Millionen DM. Aufgabe war es, zu untersuchen, ob und unter welchen Bedingungen Umweltmediation in Deutschland dazu beitragen kann, umweltrelevante Konflikte zu bearbeiten und möglichst zu lösen. Im positiven Fall sollte „Umweltmediation“ dazu beitragen, bestehenden Problem- und Investitionsstau zu beseitigen und nachhaltige Lösungen zu finden. Abgeschlossen wurde das Projekt im Oktober 2001 mit umfangreichen Schlussberichten des Projektteams und der wissenschaftlichen Begleitung.

Der „Förderverein Umweltmediation e.V.“ (Förderverein I – FVU)

Während der Projektbearbeitung stellte sich rasch heraus, dass es ihr dienlich sein würde, die Trägerbasis über die Mitglieder der AGU hinaus insbesondere um die engagierten Vertreter der Umweltmediations- und Raumplanungspraxis zu verbreitern, die sich zwischenzeitlich in der „Interessengemeinschaft Umweltmediation (IGUM e.V.)“ zusammengeschlossen hatten und dem Projekt zunächst teilweise skeptisch bis ablehnend gegenüberstanden. Am 19. Januar 1998 wurde deshalb der gemeinnützige Förderverein Umweltmediation e. V. in Bonn gegründet. Vorsitzender wurde Prof. Dr.-Ing. e.H. Kurt Oeser, evangelischer Theologe, der sich bei den gewaltsamen Protesten gegen die Erweiterung des Frankfurter Flughafens durch die Startbahn West führend engagiert hatte und später einer der drei sogenannten „Mediatoren“ im Streit um die erneuten Erweiterungspläne des Frankfurter Flughafens wurde. Stellvertreter wurde Dr. Wolfgang Pretzer von der Hoechst AG in Frankfurt. Ferner waren im Vorstand Dr. Horst Heuter vom Deutschen Gewerkschaftsbund, Dr. Maximilian Gege vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) und Monika Groner, Rechtsanwältin und Bürgermeisterin, für die Interessengemeinschaft Umweltmediation (IGUM). Gerd Fuchs wurde Geschäftsführer des Vereins. Als Sponsorin des Projekts konnte die damalige Staatsministerin für Umwelt und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz, Klaudia Martini, gewonnen werden.

Als beratendes Gremium wurde ein interdisziplinärer Beirat gebildet; ferner wurde ein „Expertenkreis Forschung“ berufen, der eingereichte Forschungsarbeiten auf ihre Förderwürdigkeit durch den Verein prüfte. Zweck des Vereins war von der ersten Stunde an ein ideeller: Es sollte ein Instrumentarium darauf getestet werden, ob es geeignet sei, dem Umweltgedanken neben den wirtschaftlichen Interessen eine angemessene Berücksichtigung zu sichern.

Im Frühjahr 1999 wurden durch einen unabhängigen und interprofessionellen Expertenkreis beim Förderverein in einer Klausur „Standards für Umweltmediation“ erarbeitet und verabschiedet – die ersten ihrer Art im deutschen Sprachraum. Ihre Weiterentwicklung zu „Standards für Mediation im öffentlichen Bereich“ finden Sie hier.

Gefördert vom Umweltbundesamt (UBA) ließ der Förderverein im Herbst 1999 ein Studienbriefprogramm erarbeiten, das ein interdisziplinäres Team als 274seitiges Lehrbuch verfasste, ergänzt durch ein Fortbildungsprogramm in Umweltmediation für Praktiker. Das Programm soll Entscheidungsträger aus den Zielgruppen Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Rechtswesen usw. in die Lage versetzen, zu beurteilen, ob wann und wie sie Mediation zur Vermeidung oder Regelung von Umweltkonflikten einsetzen können. Ein sinnvoller Nebeneffekt ist die normative Vereinheitlichung der Begriffe. Zusätzlich kann der Studienbrief auch als Bauelement für eine umfassendere Wissensaneignung bzw. Fortbildung dienen; er kann beim Verein für 48 € zzgl. Versandkosten bezogen werden.

Außerdem wurden zahlreiche weitere Materialien erstellt, unter anderem Lehrvideos, vielfältige Informationsmaterialien und eine analytisch-kritische Projektdokumentation. Elf Doktor- bzw. Diplomarbeiten wurden gefördert und archiviert. Zwei Umfragen bei den Mitgliedern des Umweltausschusses des Deutschen Städtetags ergaben gute und sich weiter verbessernde Voraussetzungen für mediative Vorgehensweisen, zugleich aber auch einen erheblichen Mangel an Information über Umweltmediation.

Der „Förderverein Mediation im öffentlichen Bereich e.V.“ (Förderverein II – FMöB)

Mit Auslaufen der Projektförderung wurde der Verein am 3. September 2001 neu aufgestellt und arbeitet seither rein ehrenamtlich und dezentral. Um seinen Aktionsbereich präziser zu beschreiben, wurde er zudem in „Förderverein Mediation im öffentlichen Bereich“ mit dem Untertitel „Umwelt, Wirtschaft, Politik, Soziales“ umfirmiert. Damit wurde klargestellt, dass einmal das Thema Umwelt zwar immer im öffentlichen Interesse ist und in die Aufgabenstellung der öffentlichen Hand fällt, es aber in einem Spannungsfeld zu anderen Themen steht, und dass Mediation kein Instrument für die Akzeptanzbeschaffung einzelner Interessengruppen ist. Im Vordergrund stehen jetzt die oft äußerst herausfordernden Rahmenbedingungen und spezifischen Charakteristika, denen Mediation im gesamten öffentlichen Bereich Rechnung tragen muss.